Archive for mal/asia
from KL to MLK
Kuala Lumpur:
Was mich am meisten geschockt/fasziniert hat, war, dass ein Busticket von Kuala Lumpur nach Melaka (etwa 2 1/2 h fahrt) in Malaysien billiger ist als ein Frappucino in Starbucks. Wirklich. Das Ticket kostet 10 RM, der Frappucino hat 15 RM gekostet. Arg, oder?
Außerdem musste ich bezahlen, dass ich in den Petrona Towers auf‘s Klo gehen durfte. Da hab ich mir schon gedacht: Entschuldigung?? Das ist ein Shoppingcentre mit Gucci und Prada und was weiß ich noch, und dann wollen sie dir 2 RM abringen für‘s Pipi machen? Geht‘s noch?
Melaka:
Folgende Geschichte ist vielleicht etwas schockierend. Vor Allem für meine Eltern. Aber sie ist soooo gut, dass ich sie niemandem vorenthalten will.
Melaka ist eine Stadt etwa 2 1/2 h südlich von Kuala Lumpur, an der Küste. Es ist ein totales Touristenstädtchen, weil hier nicht nur Portugiesen und Briten, sondern auch die Hölländer waren. Daher gibt es ein Stadthuys und eine kleine Windmühle und putzige, holländisch aussehende Häuschen. Nett, wirklich nett.
Da wir kein Hostel gebucht hatten, nahmen wir einfach jenes, welches im Lonely Planet Reiseführer (eine sehr renommierte Marke im englischsprachigen Raum) empfohlen war. Es heißt Sama-Sama Guesthouse und liegt zentral in Melaka. Wir kommen also nach einigem herumgerenne, weil der Bus uns falsch aussteigen hat lassen, beim Sama-Sama Guesthouse an und Nelly bleibt stehen und sagt: Bist du sicher?!
Und ich nur: Klar, da steht Sama-Sama! (und denk mir: is die blind oder was?)
Was sie eigentlich wissen wollte, ist, ob ich sicher bin, dass ich hier übernachten will.
Man muss sich die Szene folgendermaßen vorstellen: ein gemütlicher, zur Straße offener Raum, aus Boxen schallt der gute alte Bob Marley, um einen Tisch sitzen einige SEHR alternativ aussehende Gestalten und direkt am Eingang sitzt ein Malaysier, sympathisch, etwa Ende vierzig, schätze ich, mit langen Haaren. „Wir sind ausgebucht!“ sagt er und schaut uns an. Als er unsere verzweifelten Blicke sieht, setzt er hinzu: „Im Dorm sind noch Betten frei!“ Passt, nemma!
Das „Dorm“ musste mal ein Stall gewesen sein, und darin standen genau drei Betten, von denen eines bereits belegt war, Glück also. Bezahlen sollten wir erst, wenn seine Frau aus dem Supermarkt zurückkommt.
Wir ziehen also los, und denken uns schon so einiges, wollen aber keine voreiligen Schlüsse ziehen. Als wir so gegen 10:30 Nachts zurückkommen, sitzt eine Gestalt vor dem Haus, rauchend. Es stellt sich schnell heraus, dass DAS seine Frau ist. Eine Schweizerin. Ich weiß nicht, wie ihr euch Schweizer vorstellt, aber in meinem Hirn sind sie sehr korrekt und sehen auch so aus. Nun ja. Diese nicht. Ihr könnt sie euch als weiblichen John Lennon mit einem Touch Yoko Ono vorstellen. Lange Hippie-Haare, kleine runde Nickelbrille und Hippieklamotten. Ich hätte gesagt, sie ist Ende 50 (später stellte sich heraus, dass sie Mitte 40 ist, eine Warnung an alle Raucher, Alkoholiker und Leute, die regelmäßig anderen Hippiefreuden fröhnen).
Auf alle Fälle: die Frau ist komplett stoned. Gut. Aber nett ist sie. Und eigentlich ganz witzig. Und es ist ja schon spät, also kann sie ja bereits was geraucht haben. Es saß ja schließlich ein Deutscher am Tisch, ein Aussteiger, mit Dreads, auch schon Ende 40, der, wie er uns erzählt hat, jedes 4 – 5 Monate in Südostasien verbringt. Der rollte sich auch gerade einen Joint, den er uns auch angeboten hat. Und hier möchte ich betonen: Nein, ich habe kein Gras geraucht. Noch nie. Ich habe es auch nicht vor. Also keine Panik, ich habe, was Drogen angeht, eine besonders gefestigte Meinung. Keine Sorge, jeder der mich kennt, weiß das.
Am nächsten Morgen, nach meiner kalten Dusche mit einem Gecko und mehreren Spinnen, verlassen wir das Haus, ohne Schlüssel und versuchen vergeblich einige Stunden später wieder reinzukommen. Aber ohne Schlüssel geht ja nichts. Wir müssen also warten, bis sie die Veranda wieder öffnen, was sowas gegen 16 Uhr auch geschieht. Und diesmal treffen wir die Schweizerin wieder. Sie trägt immer noch das selbe Shirt wie am Tag davor und auch den selben Rock, mit dem selben Loch, welches, wie sie Nelly erzählte, sie unabsichtlich mit eine Zigarette reingebrannt hatte und es dann nicht flicken wollte, weil es billig aussehen würde. Und dann wurde das Loch immer größer, und jetzt sieht es noch billiger aus. Moral aus der Geschicht? Muss ich nicht wirklich erklären, oder? Abgesehen also, dass sie das selbe anhatte wie gestern, war sie entwieder NOCH oder WIEDER genauso stoned wie am Vorabend. Unglaublich. Kann man 24h durchgehend stoned sein? Und das für…mindestens die letzten 20 Jahre? Und wie hat sie das gemacht, als sie noch in Zürich gelebt hat?
Wir wollen also in unser Zimmer, und sie meint: Oh, ich geb euch den Schlüssel, weil ich sperr immer ab, wisst ihr…wo ist er denn…nein…ich hab ihn nicht…na ja…
Wir denken uns auch: Na ja, ok und gehen zu unserem Dorm. Da steckt der Schlüssel. In der Tür. Und die Tür ist offen. So viel zu: ich sperr immer ab.
Weed macht blöd, Leute, ich hab es immer gesagt. Besonders in Kombination mit Alk und Chick.
Alles in allem war Sama-Sama einfach genial, und die Leute waren total harmlos. Aber eine Erfahrung wie keine zuvor, wirklich. Unglaublich. Unglaublich!
Sama-Sama: Seeed, Bob and Weed…
Sonst gibt es in Melaka nur noch Christina Ee. Christina Ee verkauft Kekse in ihrem Laden. Klingt das nicht süß? Dachten wir auch, und sind in den Laden. Und da ist Christina Ee, am Telefon. Und schreit irgendwen in einem unverständlichen chinesischen Dialekt nieder. Dann sieht sie uns an, und schreit unvermittelt: COOKIES??? YOU WANT COOKIEEEES???
wir sind total eingeschüchtert. COOKIES? YES? NO?
Ja, ok, eine Schachtel bitte.
YOU WANT MORE COOKIES??? (sie schreit wieder ins Telefon)
nein, danke…eine reicht…
MORE COOKIES??? NO??
nein. so ist es schon recht.
THANK YOU!!!! (widmet sich wieder dem Telefon, wir wagen einen Blick auf ihrer andere Ware, den sie natürlich sofort bemerkt…)
HAVE A LOOK! MORE COOKIES, COME SEE!
und ganz schnell sind wir aus dem Laden raus. Christina Ee war um Welten furchteinflößender als auch nur ein Hippie in Sama Sama. Aber die Kekse waren gut, auch wenn die Angst von diesem Erlebnisreichen Einkauf auch durch Zucker nicht getilgt werden konnte.