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“kannst du mein monster halten?” teil 1

schon vor jahren haben wir sind helden gesungen: “kannst du mein monster halten? kannst du?” und lange haben wir gerätselt, um was für eine art von monster es sich in besagtem lied wohl handeln könnte. ich darf hier nun stolz verkünden, ich bin der sache gründlich auf den grund gegangen. es kann sich ohne zweifel um nichts anderes als das taiwanesische verkehrsmonster halten. wie der name schon sagt ist das taiwanesische verkehrsmonster in taiwan beheimatet, und dort hauptsächlich im großstadtdschungel zu finden. es ist eigentlich gar nicht so einfach ihm zu entkommen. man braucht nur einen fuß vor die türe zu setzen und stößt schon auf ein verkehrsmonster. worüber rede ich also? fußgänger. autofahrer. mopedfahrer. busfahrer. radfahrer. taxifahrer. kinderwagenschieber. und so weiter und so fort.

es ist wirklich total interessant, wie sich der normale, schüchterne, eher höflich zuvorkommende taiwanese ganz plötzlich in ein monster verwandelt, sobald er auf die straße hinaustritt. dabei gibt es zwei arten von monstern: schleich-und-im-weg-steh monster und ich-bin-motorisiert-also-hab-ich-auch-am-zebrastreifen-vorrang monster. fußgänger und kinderwagenschieber, besonders aber sonnen bzw. regenschirmtrager gehören erster monsterart an. dass die leute hier auf der straße unheimlich, aber wirklich unheimlich langsam unterwegs sind, habe ich ja, glaube ich, schon einige male erwähnt. die schleichen wirklich dahin. jede altersgruppe. als westler mit normalem tempo hat man da wirklich ein problem, und oft bleibt einem nicht viel anderes übrig, als auf die straße auszuweichen, wo man dann gleich von bussen, autos und mopeds attackiert wird. denn ausweichen auf dem geisteig (wenn dieser überhaupt vorhanden) ist sehr schwierig bis unmöglich da a) mopeds generell dort abgestellt werden, b) die schleicher vor einem mit sicherheit mindestens zwei fette taschen in jeder hand haben oder c) es ein schleicher pärchen ist, das den ganzen weg verstellt. und sollte sich dann doch einmal die chance zur umschiffung des hindernisses ergeben, wird ganz schnell der sechste sinn der schleicher aktiv und sie bewegen sich mit zielstrebiger sicherheit in genau die richtung, in die man gerade ausweichen musste. das schlimmst für den mensch mit schnellem schritt ist aber wahrscheinlich das plötzlich stehenbleiben mitten am gehsteig oder zebrastreifen. ohne jegliche vorwarnung bleibt das schleichmonster stehen. was danach passiert kann sich jeder vorstellen: entweder ein leichter zusammenstoß, der einen komplett verwirrten taiwanesen zurücklässt (weil dieser nicht begreift dass es irgendwo auch leute gibt, die schneller gehen als eine schnecke mit krücken) und einen meist leicht verärgerten westler. möglichkeit zwei sieht eigentlich nicht viel anders aus, nur dass der zusammenstoß dank eines gekonnten ausweichschrittes des westlers verhindert werden konnte. der taiwanese ist aber immer noch verwirrt und der westler immer noch verärgert. ich bin nur froh, dass ich einige zeit lange gefochten habe, da lernt man, das gleichgewicht auch in stresssituationen zu halten.

gleichungen nach mitternacht

und wieder einmal ist es realtiv lange her, seid ich mich das letzte mal in diesem blog verewigt habe. größte teils liegt es einfach an meiner faulheit und meinem perfektionismus, wenn es ums schreiben geht. das passt jetzt augenscheinlich vielleicht nicht ganz zusammen, aber wenn man es genauer unter die lupe nimmt, dann ergibt es doch sinn. mir würden genügend themen einfallen, über die ich schreibn könnte, daran mangelt es also wirklich nicht. wieso ich es dann nicht tue? weil ich über ein gutes thema einen guten beitrag schreiben will. und das ist meist etwas zeitaufwendiger als einfaches dahingeschwafel (so wie jetzt). aber da ich oft zu faul bin, mich wirklich hinzusetzen und mein kreatives chaos zu einem ordentlichen beitrag zusammenzufassen, schließt sich somit der kreis und ich habe den zusammenhang der gleichung: faulheit + perfektionismus = keine blogeinträge erklärt. und das alles um ein uhr morgens.

und ein uhr morgens ist auch der grund, warum ich jetzt hier sitze und schreibe. ich kann nämlich nicht schlafen. könnte daran liegen, dass ich ein nachmittagsschläfchen hatte. soll ja für die nachtruhe nicht besonders förderlich sein. ich hoffe, dass mich das monotone tippen nach einiger zeit so müde macht, dass ich einschlafen kann. denn nicht einschlafen können, bzw. spätes schlafengehen resultieren unweigerlich in: am nächsten morgen nicht aufstehen können. (und falls das christkind auch unterm jahr wünsche erfüllt: ich wünsch mir für das letzte quartal an meiner uni bitte wieder 10uhr unterricht, nicht 8 uhr. nur so nebenbei).

was ist inzwischen auf der insel so passiert? überraschenderweise war das wetter die vergangene woche überdurchschnittlich schön, sodass ich sogar etwas farbe bekommen habe. auch wenn ich wegen meines aufzuges in kurzen hosen und spaghettileiberln noch mehr von den insulanern angestarrt wurde. die rennen ja bei jedem wetter mit dem schirm rum: wenn’s regnet is es der regenschirm, wenn die sonne scheint holt man den sonnenschirm mit UV-beschichtung raus. warum der schlamassel? na damit man eben NICHT braun wird. die stehen hier auf weiße haut. kultureller unterschied. (ist inzwischen zu meiner lieblingserklärung hier geworden…cultural differences…). das dritte quartal ist also auch beinahe zu ende, diese woche sind die endprüfungen und ich brauche so dringend urlaub wie vor vier monaten, ende jänner. nur dass es diesmal nicht nach australien geht (da ist ja jetzt auch schon fast winter, wer will denn dann dort hin), sondern nach südkorea. für stolze 9 tage mache ich einen anderen fleck unsicher. ich freu mich schon sehr. meine koreanischen freunde hier schwärmen mir schon die ganze zeit vom leckeren koreanischen essen vor…hmmm…essen.

was mir außerdem so schnell um diese uhrzeit noch einfällt, ist, dass ich mir ein kleines stück vom zahn ausgeschlagen habe, wobei weiß ich leider wirklich nicht. aber es ist nur ganz klein, man sieht es nicht, wenn man es nicht weiß. ich hab mich auch schon dran gewöhnt, denke also nicht, dass es außer der christa (meiner zahnärztin – falls du das liest, mach dir keine sorgen, mir tut nichts weh, nirgends. vielen dank) wahrscheinlich niemandem auffallen würde.

das ist es auch schon für heute, ich hoffe, ich kann jetzt schlafen, nachdem ich der welt all diese furchtbar wichtigen dinge mitgeteilt habe. ich melde mich bald wieder, dann mit einer wirklichen geschichte!

Warum Bier?

Warum Bier?
Das frage ich mich seit einigen Tagen.
Warum Bier?
Vielleicht sollte ich die Situation etwas näher erläutern. Schon beim Aussteigen aus dem Taxi, war mir klar, was sich in meiner Straße während der nächsten sechs Wochen abspielen würde. Es war nämlich jemand verstorben. Als ich diese Zeremonie zum ersten Mal miterleben durfte, fand ich sie noch interessant. Allerdings befand ich mich in diesem Fall auf dem Balkon einer Wohnung, die nicht meine war, und die mitternächtlichen buddhistischen Gesänge und Trommelschläge hatten etwas Mystisches und Fremdes an sich. Jetzt befindet sich die Trauerstätte direkt neben meinem Apartment, was generelle Lärmbelästigung und einen gesperrten Gehsteig für mindestens einen Monat bedeutet. Wieso der Gehsteig unbenutzbar ist? Bei einem Todesfall im Westen sind Blumen und Kränze mit Schleifen das übliche Zeichen der Trauer und die Dinge, mit denen man dem Verstorbenen den letzten Respekt erweist und den Hinterbliebenen seine Trauer und sein Beileid ausdrückt. Hier in Taiwan sind es Girlanden aus Papierblumen und den schrillsten Neonfarben und Pappschilder mit Sinnsprüchen. Beides wird mit Vorliebe an gut zwei Meter hohen Pyramiden aus Bierdosen angebracht. Variabel können es auch Coca Cola oder andere Softdrinks sein, aber Bierdosen sind eindeutig die beliebtere Option. Wobei wir wieder bei meiner anfänglich gestellten Frage wären: Warum Bier? Und warum gleich 50 Dosen oder sogar mehr? Aus diesen Fragen ergeben sich auch weitere Rätsel, wie zum Beispiel: Ist das Bier für die Hinterbliebenen oder den Verstorbenen?
Es gibt also zwei Möglichkeiten:
a) das Bier ist für die Hinterbliebenen, und die Trauergemeinde versucht den Verlust für sie erträglicher zu machen, indem sie so viel Bier schenken, dass die Hinterbliebenen sich für drei Monate ohne Probleme jeden Tag schon früh morgens beginnend ins Koma saufen können.
b) Das Bier ist für den Verstorbenen, und soll ihm bei der Reise ins Jenseits beziehungsweise ins nächste Leben mitgegeben werden. Warum er dabei unbedingt Bier braucht ist aber relativ unverständlich, es gibt meiner Meinung weitaus bessere und edlere Tröpfchen. Andererseits ist Bier das einzige alkoholische Getränk, das in Dosen erhältlich ist, und die lassen sich aber auch so schön stapeln. (Ja, es gibt Prosecco in Dosen, dessen bin ich mir bewusst, aber anscheinend ist Paris Hilton mit ihrer Werbung dafür noch nicht bis nach Taiwan durchgedrungen.)
Mir persönlich gefällt Variante a ja besser, aber wenn man sich die restliche Trauerkultur in Taiwan etwas näher ansieht, ist Möglichkeit b wohl wahrscheinlicher. Denn wie mir kürzlich ein Mitstudent berichtete, wird den Verstorbenen alles Mögliche mitgegeben. Jetzt denkt man sich: das ist doch aber nichts neues, wir kennen das doch bereits von den alten Ägyptern. Da hatten die Archäologen ja immer gleich zwei auf einen Streich: einen uralten, konservierten toten Menschen und jede Menge Bling Bling. Toll, nicht? Und auch China wäre nicht China, ohne die enorme Menge an Tonsoldaten, die den ersten Kaiser Chinas nach seinem Tod bewachen sollen (für weitere Einzelheiten verweise ich auf meine FBA). Kann es also sein, dass meine Nachkommen in vielen, vielen Jahren einen Bericht über die Totenschätze meines derzeitigen Nachbarn im Fernsehen verfolgen? Und was wären das für Dinge? Jede Menge Aluminiumdosen, das steht soweit mal fest. Und ein Flatscreenfernsehgerät, wie mir ein Mitstudent vorher erklärt hat. Oder einen Computer, einen DVD Player, ein Radio…schade nur, dass all das Bloß Nachbildungen aus Pappe sind. Und jetzt bitte nicht lachen, es gibt eine eigens darauf spezialisierte Industrie dafür in diesem Land. Geschäfte, die einzig und allein Pappwaschmaschinen und dergleichen verkaufen. Seltsam? Ganz klar, aber eine geniale Geschäftsidee, und umweltfreundlich noch dazu! Vielleicht sollte die katholische Kirche, anstatt Sonntags den Klingelbeutel während der Messe durchgehen zu lassen, mal in Erwägung ziehen, so etwas in die Trauerfeiern mit einzubauen. „…und wer dem Verstorbenem noch etwas aus dem weltlichen Leben für seine Reise ins Jenseits mitgeben möchte, der kann kleine Nachbildungen von Elektrogeräten und anderen Annehmlichkeiten jetzt jederzeit im Pfarrcafé erwerben, natürlich aus recycelten Bibeln hergestellt. Amen.“

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